Info-Brief September 2017: Jungfrau / Merkur

Liebe Freunde,

wie eine breit angelegte Langzeitstudie beweisen möchte, haben Jungfrau-Geborene auch schon in früheren Inkarnationen nicht an Wiedergeburt geglaubt! Sie sind eben kritisch, aber auch äußerst gewissenhaft!

Eine unschätzbare Qualität übrigens in Zeiten der Digitalen Inkontinenz und Kommunikations-Karnickelei, in denen wertvoller Inhalt immer häufiger durch blutleere Masse ersetzt wird, im Sinne von: Von der Lunge (direkt) auf die Zunge! Oder auf Facebook, Twitter, Instagramm, erst rumkrakelen, dann eventuell nachdenken oder sich anonym und feige verpissen.

Wie gerne würde ich so vielen Sprechbläsern im Stile einer schwäbischen Hausfrau (die, wo noch ihre Spätzle selber macht) zurufen: „Öfter mal die Presse halten!“

Gut zu wissen: Weise Jungfrauen gibt es nicht nur beim weiblichen Geschlecht, sondern auch unter Männern: Sie planen akribisch genau, machen sich im Vorfeld Gedanken, was passieren könnte, um potentielles Unheil zu umgehen oder Großes zu erreichen.

Die Bergsteigerlegende Reinhold Messmer ist wohl so einer. Wäre ja auch dumm gelaufen, wenn ihm am Fuße des Mount Everest-Gipfels auffällt, dass er zu wenig Seil und Karabinerhaken eingetütet hat. Soviel zum Thema „Gewissenhaftigkeit“

Oder denken wir an Johann Wolfgang von Goethe, das Dichtergenie der Deutschen Klassik. Dieses ebenso erstaunliche wie aufschlussreiche Zitat sagt viel über ihn und alles zum Wesen der (erlösten) „Jungfrau“:

 „Ich sammelte und benutzte alles, was mir vor Augen, vor Ohren, vor die Sinne kam. Zu meinen Werken haben Tausende von Einzelwesen das Ihrige beigetragen, Tore und Weise, geistreiche Leute und Dummköpfe, Kinder, Männer und Greise, sie alle kamen und brachten mir ihre Gedanken, ihr Können, ihre Erfahrungen, ihre Leben und ihr Sein.

So erntete ich oft, was andere gesät, mein Lebenswerk ist das eines Kollektivwesens und dies Werk trägt den Namen Goethe.“

Soviel zum Thema „Bescheidenheit, Demut und Dankbarkeit“

Ja, richtig, das hat sehr viel mit „Ernte einfahren“ zu tun, oder auch mit dem eigenen Lebensbild, welches sich im besten Falle aus unzähligen Mosaiksteinchen zu einem Gesamtkunstwerk zusammensetzt.

Und wie von selbst bewegen wir uns in der Jahreszeit des Tierkreiszeichens Jungfrau (Archetyp Merkur), in der  Zeit der Ernte in der Natur, in der Spreu vom Weizen getrennt wird, Wichtiges vom Unwichtigen. Nur das kommt in den Speicher, was wirklich (zum Überleben) gebraucht wird, das ist kluge Konzentration auf das Wesentliche.

Wie lautet eigentlich nochmals der „Pastorale Imperativ“?

Ach so, er lautet: Wir können nur ernten, was wir auch zuvor angesät und (im Schweiße unseres Angesichts) gehegt und gepflegt haben. Sonst wird das nix! Alles andere ist weltfremdes Wunschdenken und gefährliche Illusion, die früher oder später in Mangel und Frustration führt. Oder zum Krieg!

Und bei westlichen Menschen, denen „bäuerliches Denken“ fremd geworden ist:  Wie wäre es denn mit folgender „Resonanzgleichung“? :

„Wir können im Außen nur ernten, was im Innen gewachsen ist“

Diese Überzeugung könnte z. B. auf der Suche nach liebevoller Zuwendung, Glückseligkeit und Harmonie schon beim Blick in den (eigenen) Spiegel zu ebenso überraschenden wie hilfreichen Einsichten führen. Denn: von nix kommt nix!

Für mich liegt übrigens in Goethes „Sammelleidenschaft“ eine zentripetale Kraft zugrunde, eine Energie, die zur Mitte des Menschen führt.

In der Welt von heute diagnostiziere ich dagegen vermehrt zentrifugale Kräfte, die von der Mitte explosionsartig wegführen. In allen Bereichen gibt es „Splittergruppen“, die sich mehr oder weniger ruppig gegenseitig bekämpfen. Und alle meinen, die Wahrheit gefunden oder sogar die Weisheit mit Löffeln gefuttert zu haben.

Nein, in deren Verständnis das sind natürlich keine Schubladen, das sind Ausdrucksformen der Individualität und Freiheit, ganz nach dem Motto: „Wir lassen uns von niemand nichts verbieten!“

So ist die heute Ernährung bunt geworden, da tummeln sich Fleischesser, Frutarier, Paleotarier, Rohköstler, Flexitarier, Veganer, neben Ovo- und Lacto-Vegetariern mit sexueller Orientierung als Hetero, Lesbe oder Schwuler, Transgender, Fetischist, Asexueller, Transsexueller oder Frotteurist, ganz zu schweigen von den unzähligen religiösen Schubladen.  Seltsamerweise fließt in diesen Strömungen vor lauter Starre aber meist sehr wenig!

Ich frage mich manchmal, was wohl geschieht, wenn sich ein veganer Metzger in eine fleischessende Lesbe verliebt. Ist dies dann Liebe auf den ersten Biss oder gibt es die nur bei Vampiren?

Wo eigentlich liegt der Unterschied zwischen einem Lactose-Intoleranten, der dies allen aufs Brot (sofern keine Getreideunverträglichkeit vorliegt, sonst auf den Tofuwürfel) schmiert und Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer, der „Rücken“ hat und dies auch vehement so an den Mann (und die Frau) bringt?

Ist es nicht so, dass heute immer mehr „Individuen“ ihre Symptome kundtun? Generell eine gute Sache, immer noch besser als zu schweigen, denn: In der Blöße liegt die Größe!

In der archetypischen Medizin fängt jedoch erst dann die wirkliche Heilung an, wenn das Symptom zu einem Erkenntnisweg der Integration des eigenen Schattens führt.

Soll heißen: In der Polarität gehören beide Teile zusammen, sie sind die zwei Seiten derselben Medaille: Tag UND Nacht, Ebbe UND Flut, Licht UND Schatten, zentrifugal UND zentripetal.

Ein Teil allein ist unvollständig, erst die Vereinigung der polaren Gegensätze sorgt für heilsame Ganzheit. Dann haben wir erfolgreich das trennende ENTWEDER-ODER zu einem verbindenden SOWOHL-ALS-AUCH gemacht.

In dieser Erkenntnis liegt ein Schatz verborgen, den jeder in der Zeit des Tierkreiszeichens Jungfrau (24. August bis 23. September) heben kann. Er verbirgt sich (auch) hinter diesen Fragen:

  • Ist mir wirklich bewusst, dass ich im Außen nur ernten kann, was im meinem Innen gewachsen ist?
  • Nehme ich mir Zeit und Muße, zentripetal in meine Mitte zu kommen oder verausgabe ich mich zentrifugal?
  • Was will ich eigentlich eines Tages ernten?
  • Trenne ich tatsächlich Spreu vom Weizen, Wesentliches vom Unwesentlichen, Wichtiges vom Unwichtigen?
  • Bin ich aufnahmefähig für Neues, oder ist mein Speicher mehr oder weniger voll?
  • Wie oft macht mir meine Angst einen Strich durch die Rechnung?
  • Stehe ich offen zu meinen Vorlieben und Neigungen oder halte ich diese unter Verschluss?
  • Machen mich diese unausweichlichen Tipps von sogenannten Experten eher verrückt oder helfen Sie mir, mein Eigenes zu finden?
  • Erntest du schon oder säst Du noch?
  • Bist Du gewissenhaft konzentriert oder eher nachlässig chaotisch?
  • Ärgerst Du Dich oft, weil das Ergebnis deines Tuns wenig oder nichts mit Deinem ursprünglichen Vorhaben zu tun hat?
  • Ist Dir kurzfristiger Erfolg wichtiger als nachhaltiger Zugewinn?
  • Geht Dir das ganze Geschwätz von „Lebe für den Augenblick“ allmählich auf die Nerven, wenn Du an „morgen“ denkst?

Wer nun denkt: „Das klingt aber reichlich unspektakulär!“ dem würde die bodenständig verwurzelte „Jungfrau“ entgegnen:

„Ja, es mag sein, dass wir nicht so auf den Putz hauen wie andere. Unser Platz ist nicht ganz vorne auf der Bühne, wir sind die Krankenbrüder und -schwestern, die KindergärtnerInnen, die gute Seele in der zweiten Reihe oder im Hintergrund. Wir sind sozusagen das „soziale Gleitmittel“ in der Familie, jeder Institution und Gemeinschaft, ohne unsere (oft aufopfernde) Arbeit würde der ganze Laden zusammenbrechen. Wir schuften oft, bis wir selbst zusammenbrechen.

Wie wäre es denn, wenn wir uns als Gesellschaft in der Mitte träfen: die Einen stehen lauthals im Rampenlicht auf der Bühne, vergessen aber nicht diejenigen, die im Dunkeln wertvolle Dienste verrichten, indem sie loben, würdigen und entsprechend entlohnen.

Ich meine, das könnte Spannungen abbauen, die soziale Schere nicht weiter aufklappen lassen und ein (neues) Gleichgewicht herstellen.

Und denkt auch immer an Goethe, wenn er sagt:

„Wenn Ihr es nicht erfühlet, Ihr werdet´s nicht erjagen!“

Ich wünsche uns allen eine fruchtbare Ernte in der Jungfrau-Zeit,

Euer Thomas

2017-08-31T15:15:38+00:00